Eine der ersten Fragen in praktisch jedem Anbahnungs- oder Verkaufsgespräch lautet sehr direkt: „Was kostet Embedded Software oder Hardware Entwickler bei Ihnen pro Stunde?“ Die Frage Nach dem Dienstleister Stundensatz ist berechtigt und legitim. Gerade im Bereich Embedded Systems – also Hardware- und Softwareentwicklung rund um Mikrocontroller, Elektronik und Systeme – soll früh eine kalkulatorische Make-or-Buy-Entscheidung getroffen werden können.
Entwicklungsprojekte sind personalintensiv, und die Kosten eines einzelnen Ingenieurs wirken sich unmittelbar auf Projektbudgets aus. Wir versuchen daher, mit dieser Frage möglichst transparent umzugehen. Der relevante Punkt ist dabei nicht nur der nominelle Stundensatz eines Dienstleisters, sondern die tatsächlichen Kosten einer Entwicklungsressource im Vergleich zu internen Strukturen.
Dienstleister Stundensatz im Bereich Embedded Systems
Um es direkt vorweg zu nehmen: Typische Stundensätze für Embedded-Entwicklungsdienstleister liegen häufig im Bereich von 85 bis 110 Euro pro Stunde.
Das ist in der Regel günstig für den Kunden. Unternehmen mit eigener Entwicklungsorganisation kalkulieren die Kosten ihrer Ingenieure meist über interne Verrechnungssätze. In großen Konzernen und im gehobenen Mittelstand liegen diese Sätze für Entwicklungsingenieure häufig zwischen 180 € und 250 € pro Stunde. Beispiele dafür sind Organisationen in der Größenordnung von Siemens, Volkswagen oder Mercedes-Benz. Mittelständer sind deutlich darunter, landen aber dennoch bei 100 € bis 140 € pro Stunde.
Diese Verrechnungssätze spiegeln nicht das Gehalt eines Ingenieurs wider, sondern die vollständige Kostenstruktur eines Entwicklungsplatzes. Typischerweise wird das Bruttogehalt eines Ingenieurs mit einem Faktor von etwa 2 bis 2,5 belastet. Darin enthalten sind unter anderem:
- Infrastrukturkosten
- IT-Arbeitsplätze und Entwicklungsumgebungen
- interne Verwaltung und Management
- Gebäude, Energie, Facility
- Projektmanagement und Koordinationsstrukturen
Das führt dazu, dass eine interne Entwicklungsstunde deutlich über den eigentlichen Personalkosten liegt. In der Regel zu einem Faktor von 4-4,5 zum aktuellen Bruttogehalt. Der interne Verrechnungssatz bildet den gesamten organisatorischen Kontext eines Entwicklungsplatzes ab.
Ein weiterer Unterschied entsteht bei der Anzahl der tatsächlich produktiven Entwicklungsstunden pro Monat. Interne Entwickler sind in vielen Organisationen stark in Abstimmungsprozesse eingebunden – beispielsweise durch Projektmeetings, Reviews, Bereichsbesprechungen oder interne Koordination. In der Praxis bleiben dadurch häufig etwa 100 bis 120 Stunden pro Monat, die direkt einem konkreten Entwicklungsgewerk zugeordnet werden können.
Externe Entwicklungsingenieure arbeiten dagegen meist deutlich fokussierter auf einzelne Arbeitspakete. In vielen Projekten lassen sich 140 bis 145 Stunden pro Monat direkt auf Entwicklungsarbeit verbuchen.
Auch hinsichtlich Infrastruktur bestehen heute kaum Unterschiede zwischen internen Entwicklungsabteilungen und spezialisierten Dienstleistern. Entwicklungsdienstleister verfügen typischerweise über:
- leistungsfähige Entwicklungsrechner
- Hardware- und Software-Toolchains
- Debug- und Messtechnik
- Versionsmanagement- und Buildsysteme
Zusätzliche Werkzeuge beim Kunden – beispielsweise Anforderungen- oder Lifecycle-Managementsysteme wie DOORS oder Polarion – werden projektbezogen eingebunden.
